Kunstkoperative ARTLOCH Prod./Patrick Fauck

Kunstkoperative ARTLOCH Prod./Patrick Fauck
"one, chew, free, far", 2014. Durch CLICKEN auf das Bild, zur FACEBOOKSEITE wechseln!

Dienstag, 19. November 2019

Bilder und Bericht vom 2. Internationalen 33 Stunden gARTenstipendium Borken


Am Ostbahnhof 1 - 33607 Bielefeld - tel 0521/882974 – email r.kula@t-online.de

"vom verschwinden/disappearing"

Gewinner Beitrag für das 2. Internationale gARTenstipendium 2019
Zeit: 31.8 und 1.9. 2019
Ort: Garten der Familie Terwey, Wagnerstrasse 14 in 46325 Borken/Gemen

so wars im Garten, eine Beschreibung:
die Performance vom verschwinden/disappaering bietet den Prozess/das Bild des
Verschwindens als realen Vorgang an. An unerwartetem Ort webe ich mich (die
Künstlerin) mittels organischen Materials in ein, in diesem Prozess entsteht ein Objekt,
das nach Ende der Performance beibt und vor Ort durch äußere Einflüsse dem
Verschwinden preisgegeben ist.

31.8.2019 Borken/Gemen
zu zweit in Bielefeld mit dem PKW voller Material am Ostbahnhof um 7 Uhr gestartet,
angekommen in Borken Gemen, 2 Stunden später um 9 Uhr: die Wagnerstrasse eine
klassische Wohnsiedlung.
Ich bin auf alles Mögliche eingestellt, wir lernen die Terweys kennen, unsere Gastgeber
und dann den mir bis dato unbekanten Garten. Ich darf frei wählen, an welchem Ort ich
verschwinden will, ein Garten mit mehreren interessanten Möglichkeiten, kleine seperate
Bereiche, Wege, aber es gibt für mich nur eine Möglichkeit:
der Kirschbaum im Hühnerstall.



Ein gänzlich verschiedener Ort, denn ich bin grundsätzlich schon im Käfig/Stall, also hinter
Zaun und muss sehen, wie ich mich mit den 4 Hühnern arrangiere bzw. die sich mit mir. Ich
arrangiere meine Material am ausgewählten Platz so, dass ich alles aus dem Baum heraus
erreiche, klettere in den Baum und beginne.



Der Samstag ist heiss, nochmal ein richtig heißer Sommertag, allerdings habe ich durch
das Laub der Kirsche etwas Schatten, in der frühen Nachmittagszeit wird es sehr heiß und
stickig, ich verlasse einmal mein Gebilde, um etwas zu trinken und zu essen, habe ich so
noch nie gemacht, ist aber notwendig, da ich mich in dem Moment schwach und verletzlich
fühle, sicherlich auch eine Folge meiner Erkrankung.
Gestärkt klettere ich wieder in den Baum und arbeite weiter.
Es kommen Gäste, die sich im Garten auf bereit gestellte Gartenmöbel niederlassen,
bleiben, zuschauen, ab und zu sich annähern und den Kontakt mit mir suchen, u.a. auch
eine kleine Gruppe junger Teenies aus einer benachbartem Wohnhaus, in dem sie leben”
was machst du da? Verschwindest du wirklich? Können wir mal näher schauen?” einige
kommen in den Stall und interessieren sich sowohl für mein Projekt, wie ich stehe, ob das
bequem sei, was das für Material sei und ob ich wirkich verschwinden werde als auch für
die Hühner, deren Plätze und Eier….
Mein Standort ist unbequem, es wird enger, die Nachbarn, die draußen am Grundstück
an/unter mir vorbei gehen, nehmen mich nur schwerlich und dann irritiert war, ein Blick
nach oben ist nötig. Einige Nachbar*innen passieren aber wiederholt und grüßen dann
auch immer wieder.
Von den Kindern/Teenies hat insbesondere ein Junge Feuer gefangen, inspiziert alles
gründlich, denkt über die Form des Kokons nach, will auch tätig sein. Ich überlasse ihm
vom Pressband, er rollt sich ein Knäuel und nimmt es mit, mit dem Versprechen etwas
damit zu tun.




Der Tag geht, der Abend kommt, mein Kokon wird langsam gut erkennbar, ich je nach
Blickwinkel schon weniger, bis knapp gegen 21 Uhr bleibe ich in Stall und Baum, ca. 1
Stunde in engem Gespräch mit einem Gast, der als erstes darüber sprechen möchte, ob
diese Aktion wirklich Kunst sei und dann über den Aspekt des Vergänglichen, des
Moments… es wird langsam dunkel, die Hühner möchten auf ihre Schlafbank, die direkt
unter mir ist. Sie müssen erst etwas überlegen, ob dieser Platz auch heute Abend für Sie in
Frage kommt, doch sie fühlen sich sicher und wagen eins nach dem anderen den Sprung
auf die Bank, machen es sich bequem und lassen sich auch nicht stören, als ich über sie
hinweg Baum und Stall gegen 21.15 Uhr für die Nacht verlasse.
Wir übernachten im Zelt neben dem Stall, es regnet, eine Katze kommt vorbei, es ist
gemütlich, geschützt, ich schlafe gut…




Am nächsten Morgen geht es gleich wieder in den Stall und
in den Baum, ich habe noch viel zu tun, der Garten ist erst
ab 14 Uhr wieder für die Öffentlichkeit geöffnet, aber von
kommt schon um 11 Uhr der Junge vom Tag davor : “Ich
will mal sehen, was du schon geschafft hast? Ganz schön
viel.” Er hat etwas mitgebracht, er hat mit dem Materrial
und gefunden Ästen auch einen Kokon gewebt, gewickelt,
ein Geschenk für mich. Ich lade ihn in den Garten ein, er
übergibt mir das Geschenk: Ich freue mich sehr undschlage
vor, diese kleine Arbeit in meinen Kokon zu integrieren, als
Krone oben auf eine Seite einzuarbeiten, was dann auch
gelingt. Der Junge ist zufrieden, geht, wird aber mit seiner Gruppe am Nachmittag
wiederkommen.






Die Hühner benehmen sich wie immer und sind gar nicht mehr irritiert, auch 2
Nachbarskinder, die von außen auf mich aufmerksam geworden sind nicht, sie
begutachten meine Arbeit und erzählen dann von ihrem Kinobesuch und ihrer
Freundschaft: “Kumpelfreunde”.
Um 14 Uhr Kommen wieder die ersten Gäste, auch sie lassen sich nieder, schauen zu,
reden mit mir, miteinander: über das Material, die Landwirtschaft, wilde Katzen, die mal das
sind und dann verschwinden, Hühner, über Nachbarschaft, Dekorationen,
Gartengesttaltung, Ausdauer, Schönheit und Ästhetik, Krankheit und Mut, Lebensphasen
wie Jungend und Alter, Begeisterungsfähigkeit,….





Die Teenis kommen auch wieder, jetzt ja schon gute Bekannte und inspizieren alles, mich,
meinen Kokon, den Garten, die Pesse kommt auch, alle verbringen einige Zeit im Garten
der Terweys, die auch immer wierder von ihrem Haus/ dem Garten erzählen müssen.
Mit allen Gästen spreche ich über den Prozess des Verschwindens, der Kontakt ist
intensiv, vielleicht weil sich beide Seiten durch die vermeintliche Barriere des Gewebten
und dann noch den Draht des Stalles genau wahrnehmen möchten, sich einander
zuwenden müssen,
Ich komme gut vorran, es ist nicht so heiß wie am Tag zuvor, ich bleibe die ganze Zeit im
Baum, bis ich gegen 17. 15 eine Zustand des Kokons erreiche, den ich als Endpunkt
wählen kann, ich bin tatsächlich verschwunden….





Danke Frank und Sabine Terwey für das Stipendium,
das Ermöglichen des Verschwindens in eurem schönen Hausgarten
und das weitere Dokumentierens des Prozess des Verschwindens des Kunstwerks!
copyright: Raphaela Kula https://www.atelier-ostbahnhof.de/