Kunstkoperative ARTLOCH Prod./Patrick Fauck

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Samstag, 11. April 2020

Interview in der BORKENER ZEITUNG vom 07. April 2020, KULTUR in der Corona-Zeit

MENSCHEN VERMISSEN KUNST 

Interview in der BORKENER ZEITUNG vom 07. April 2020, 
Frank Terwey über KULTUR in der Corona-Zeit 




BORKEN. 

Wegen der Corona-Pandemie werden reihenweise Kultur-Veranstaltungen abgesagt. Leidtragende sind in erster Linie die Künstler, aber auch das Publikum, das ohne Live-Veranstaltungen auskommen muss. Ist die Kultur damit in der Krise? Darüber sprach BZ-Redakteur Markus Schönherr mit Frank Terwey. Der Gemener macht seit vielen Jahren selbst Kunst-Projekte und vergibt jährlich ein Stipendium an einen Performance-Künstler. Zuletzt rief Terwey online zu einer Sofa-Performance auf, bei der die Teilnehmer Löcher in die Luft starren sollten.

 
BZ: Was hatte es mit der Sofa-Performance auf sich, zu der du am 1. April aufgerufen hast?


Frank Terwey: Der Kulturbetrieb steht quasi still. Künstler können nicht ausstellen. Leute, die an Kultur interessiert sind, können keine Konzerte, kein Kino, kein Theater und keine Ausstellungen besuchen. Viele sind überfordert damit, jetzt alleine zu Hause zu sein. Ich hab mir gedacht, da kann man auch auf dem Sofa sitzen und Löcher in die Luft starren. Da weiß man wenigstens für fünf Minuten, wozu man zu Hause sitzt. Das hat auch einen humoristischen Charakter, deshalb hab ich es absichtlich am 1. April gemacht.

 

BZ: Bekommt Kunst in Zeiten der Corona-Pandemie eine neue Bedeutung?


Terwey: Das ist schwer zu sagen. Ich finde gut, dass jetzt darüber gesprochen wird. Kunst wird vermisst. Kultur bedeutet Identität. Und mit der Identität bestimmen wir unsere Werte. Wo kommen wir her? Wo wollen wir hin? Worauf beziehen wir uns? Das hat alles mit Kultur zu tun. Im Moment wird man reduziert auf das, was man braucht, und wenn man dann noch über Kunst und Kultur spricht, ist das positiv.

 

BZ: Aber ist Kunst und Kultur nicht auch das erste, auf das in Krisenzeiten verzichtet wird?


Terwey: Das ist meistens so, wenn es um die Kosten geht. Aber trotzdem vermissen es die Leute.

 

BZ: Also ist die Kultur durch Corona nicht zwangsläufig in einer Krise?


Terwey: Kunst und Kultur befinden sich grundsätzlich in einer Krise. Corona bietet eher die Chance, dass die Menschen merken: Da ist etwas, von dem ich gar nicht gedacht hätte, dass ich es vermisse. Das Gesundheitswesen und die Kultur sind oft die Bereiche, in denen als erstes Geld gestrichen wird. Jetzt bekommt man einen anderen Blick darauf und sagt vielleicht: Darum muss ich mich weiter kümmern, auch wenn Corona mal kein Thema mehr ist. Das ist zumindest mein Wunsch.

 

BZ: Kann es Menschen durch die Krise helfen, selbst Kunst zu machen?


Terwey: Das höre ich im Moment häufig. Jetzt muss man zu Hause bleiben und hat Zeit, Dinge zu Ende zu machen.

 

BZ: Hat sich in deiner Kunst etwas durch Corona verändert?


Terwey: Ich habe neben der Kunst meinen Butter- und Brot-Beruf, so dass sich für mich nicht viel verändert hat. Aber im Ausstellungsbetrieb verschiebt sich einiges. Das merke ich schon. Perspektivisch muss man runterfahren. Im Moment wird alles auf Septemper und Oktober verschoben. Man weiß aber nicht, ob das, was ausfällt, wirklich nachgeholt wird.

 

BZ: Bietet die aktuelle Lage auch die Chance, dass Künstler andere Wege gehen, zum Beispiel online?


Terwey: Auf jeden Fall. Bei der Musik ist es ja schon so, dass Konzerte gestreamt werden. Mit meiner Sofa-Performance bin ich auch einen neuen Weg gegangen. Der Künstler Roland Stratmann macht gerade ein Postkarten-Projekt mit dem Titel „Phantom“. Jeder kann ihm anonym Postkarten zuschicken, aus denen er ein Kunstwerk macht. Das ist eine Re-Digitalisierung. Alles, was man sonst bei Facebook erzählt, kann man ihm schreiben.


| Ein ausführlicher Bericht über das Projekt des aus Weseke stammenden Künstlers Roland Stratmann folgt in der morgigen Ausgabe.



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